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Ein ganz besonderer Gast – Frau Präsidentin Dr. Charlotte Knobloch

Bei der Denkmaleröffnung für Herrn Dr. Früchte in Sulzemoos im November 2025 kam ich mit Stephanie Burgmaier (Kreis- und Bezirksrätin) ins Gespräch, dass es leider nur noch wenige Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus gebe, die an Schulen kommen können. Frau Burgmaier sagte mir zu, dass sie mich unterstützen und ihre Kontakte nutzen würde, um einen Zeitzeugenbesuch für unsere Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen. Sie hielt Wort und am 17. April durften wir Frau Dr. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland begrüßen. Ebenso nahmen Frau Stephanie Burgmaier und der Dachauer Antisemitismusbeauftragte Michael Holland, die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe sowie zahlreiche Lehrkräfte der Glonntalrealschule Odelzhausen an der Veranstaltung teil.

Nach einer kurzen Vorstellung durch Schulleiterin Anette Schalk startete Frau Dr. Knobloch mit einem Impulsvortrag. Sie ging zunächst auf die derzeitige Situation der jüdischen Menschen in unserer Zeit ein, insbesondere, dass sich antisemitische Vorfälle wie der jüngst erfolgte Brandanschlag auf das israelische Lokal Eclipse in München häufen. Dies ist u.a. ein Grund dafür, dass Menschen jüdischen Glaubens vermeiden, sich mit sichtbaren Zeichen wie der Kippa oder einem Anhänger in Form des Davidssterns in der Öffentlichkeit zu zeigen. Sie selbst liest im Internet und in sozialen Medien immer wieder Reaktionen auf Veröffentlichungen, die nachdenklich machen. Sie sagte auch, dass sie es nie für möglich gehalten hätte, wie groß derzeit der Zulauf zu rechten Parteien sei.

Sie berichtete über ihre Kindheit als Charlotte Neuland in München, beispielsweise wie sich die Situation der Juden im Laufe ihrer Kindheit verschlechterte und dass ihr Vater Fritz Neuland den Beruf des Rechtsanwalts nicht mehr ausüben durfte. Sie erzählte, dass die Hausmeisterin des Hauses, in dem sie lebte, den anderen Kindern verbot, mit einem jüdischen Kind zu spielen. Beklemmend schilderte sie, wie sie mit ihrem Vater nach einer Warnung nachts die Wohnung verließ. Ihr Vater rief von einer Telefonzelle aus iKnobloch 2n seiner Kanzlei an und hörte von einer ihm unbekannten Stimme, dass auch der Anrufer auf die Ankunft von Rechtsanwalt Neuland warte. Sie liefen daher durch das nächtliche München  bis nach Aubing, während die Synagoge abgebrannt wurde. Eine Emigration nach Amerika kam für Fritz Neuland nicht in Frage, da seine Mutter aufgrund ihres Alters keine Einreiseerlaubnis erhielt.  Besonders bewegend war, als Frau Dr. Knobloch schilderte, wie sie sich im Badezimmer unter Tränen von ihrer geliebten Oma verabschiedete. Diese beruhigte Charlotte, sie würde auf Kur fahren, obwohl sie wusste, dass sie ins Konzentrationslager geschickt werden wird.

Schließlich erzählte sie davon, dass sie von ihrem Vater ins mittelfränkische Arberg gebracht wurde, wo Kreszeszia (Zenzi) Hummel, die ehemalige Haushälterin ihres Onkels, lebte. Deren Familie nahm Charlotte als Lotte Hummel auf und sie galt als der Bangert, das uneheliche Kind, von Zenzi. Niemand durfte wissen, wer sie wirklich war, denn das hätte nicht nur sie selbst, sondern auch Familie Hummel in Lebensgefahr gebracht. Nur noch einen gab es, der Bescheid wusste – der Dorfpfarrer. Sie, die bisher als gläubige Jüdin in der Großstadt München lebte, musste sich nun als katholisches Dorfmädchen ausgeben, und sie war der Bangert. Das war für die sehr gläubige Zenzi und ihre Angehörigen eine große Schande, aber Frau Dr. Knobloch ist auch heute noch so dankbar dafür, was Familie Hummel für sie gemacht hat (Dieser Teil des Vortrags hatte für mich eine ganz besondere Bedeutung, da ich selbst im Nachbarort aufgewachsen bin und sowohl mein Vater, als auch mein Schwiegervater aus Arberg stammen.).

Schließlich berichtete sie, wie sie ihr Vater nach Kriegsende aus Arberg abholte, sie nach München zurückkehrte und Jahre später ihren Mann Samuel Knobloch, einen Überlebenden des Krakauer Ghettos, heiratete, mit dem sie zunächst in die USA auswandern wollte, aber aufgrund ihrer ersten Schwangerschaft doch in Deutschland bleib. Sie erzählte auch über ihre drei Kinder und trug vor, wie sie sich für die jüdische Gemeinschaft in München und Deutschland engagierte und auch heute noch einsetzt. Sie betonte, dass es ihr sehr wichtig sei, die Erinnerungskultur zu pflegen und gerade junge Menschen zu informieren, wie viel Schreckliches in der Zeit der Holocaust passiert sei. Insbesondere war es ihr wichtig, dass die Schuld für die Ereignisse während des Holocausts nicht die Schuld der heutigen jungen Menschen sei, dass sie aber eine Verantwortung für ein „Nie wieder“ haben und wachsam bleiben sollen.

Nach ihrem Vortrag beantwortete Frau Dr. Knobloch offen und ausführlich Fragen, die unsere Schülerinnen und Schüler zur Vorbereitung auf diese Veranstaltung formuliert hatten, wie beispielsweise „Gibt es eine Erinnerung aus Ihrer Vergangenheit, die Sie besonders geprägt hat?“, „Wie haben Sie die Reaktionen der Menschen nach 1945 erlebt, und wie haben sich diese im Laufe der Jahre verändert?“, „Wie nehmen Sie die heutige junge Generation wahr, insbesondere im Hinblick auf Erinnerungskultur und Verantwortung?“ und viele weitere.

Im Anschluss gab es langanhaltenden Applaus für Frau Dr. Charlotte Knobloch und einen bunten Blumenstrauß als Dankeschön.

Während des Vortrags und der Beantwortung der Schülerfragen war es sehr still. Die Jugendlichen hörten aufmerksam und konzentriert zu. Ich habe bisher nur sehr wenige Veranstaltungen erlebt, in denen es so ruhig war. Dieser interessante und ganz besondere Schulbesuch wird allen, die teilnehmen durften, in Erinnerung bleiben. „Es war sehr interessant.“ hörte ich aus dem Mund einer Schülerin.

Ich bedanke mich bei Frau Dr. Knobloch für ihren Besuch an unserer Schule. Es war uns eine ganz besondere Ehre, dass so eine bemerkenswerte Frau an unsere Schule kam und aus ihrem Leben berichtete. Sie ist eine „Grande Dame“ mit einer wunderbaren, warmherzigen Ausstrahlung und eine ganz besondere Persönlichkeit. Ich sehe es als Geschenk, dass ich Frau Dr. Knobloch kennenlernen durfte.

Herzlichen Dank an Frau Burgmaier, die den Kontakt herstellte, und an Herrn Michael Holland sowie an Frau Simone Wester für den Zeitungsbericht. Es würde mich freuen, wenn Frau Dr. Knobloch auch in zwei Jahren wieder an unsere Schule kommt.

Knobloch 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(von links: Michael Holland, Dr. Charlotte Knobloch, Stephanie Burgmaier und Anette Schalk)

 

Anette Schalk